← Zurück zum Blog
Sanierung

Wärmepumpe mit Heizkörpern im Altbau: Sanierungs- & Optimierungsleitfaden (2026)

2026-08-15Thermovo Technical Team15 Min. Lesezeit
Cover image for article: Wärmepumpe mit Heizkörpern im Altbau: Sanierungs- & Optimierungsleitfaden (2026)

Ein hartnäckiges Vorurteil besagt, dass Wärmepumpen nur in Neubauten mit Fußbodenheizung effizient funktionieren. Doch die Praxis im Jahr 2026 beweist das Gegenteil: Dank moderner R290-Hochtemperatur-Wärmepumpen und gezielter Optimierung von Heizkörpernetzen lassen sich auch Altbauten und Bestandsgebäude hervorragend mit Wärmepumpen beheizen.

Der Umstieg erfordert keineswegs den Herausriss bestehender Böden. Durch eine raumweise Heizlastberechnung, die Absenkung der Vorlauftemperatur, den gezielten Austausch einzelner Heizkörper (z. B. von Typ 11 auf Typ 22 oder 33) sowie den obligatorischen hydraulischen Abgleich erreichen Bestandsgebäude Jahresarbeitszahlen von über 3,8.

Dieser Leitfaden zeigt Schritt für Schritt, wie Sie Ihre Heizkörper optimal auf den Wärmepumpenbetrieb vorbereiten.


1. Thermodynamik der Heizkörperheizung

Für die Wärmeabgabe eines Heizkörpers gilt die vereinfachte Formel:

$Q = U cdot A cdot Delta T_{m}$

Während alte Öl- und Gasheizungen mit hohen Vorlauftemperaturen (75 °C Vorlauf / 65 °C Rücklauf) arbeiteten, läuft eine Wärmepumpe am effizientesten bei Vorlauftemperaturen von 45 °C bis 55 °C.

Wird die Vorlauftemperatur gesenkt, sinkt die mittlere Temperaturdifferenz $Delta T_{m}$ zum Raum. Um die benötigte Wärmeleistung $Q$ zu halten, kann man entweder die Heizfläche ($A$) vergrößern, den Wärmeübergang ($U$) durch Gebläse unterstützen oder die Heizlast des Raumes senken.


2. Ablauf der Heizkörperoptimierung

Der folgende Prozess zeigt den empfohlenen Weg zur Altbausanierung:

Loading diagram...

3. Heizkörpertypen im Vergleich

Die folgende Tabelle zeigt die Wärmeleistung verschiedener Heizkörpertypen bei unterschiedlichen Vorlauftemperaturen:

HeizkörpertypBauformTiefeLeistung bei 75/65/20 °C (Kessel)Leistung bei 55/45/20 °C (Wärmepumpe)Leistung bei 45/35/20 °C (Niedertemp.)Sanierungsempfehlung
Typ 11 (K1)1 Platte, 1 Konvektor60 mm100 % (Basis ~1000 W)~48 % (~480 W)~30 % (~300 W)Austauschen: Zu geringe Fläche für niedrigen Vorlauf
Typ 21 (P+)2 Platten, 1 Konvektor70 mm135 % (~1350 W)~65 % (~650 W)~41 % (~410 W)Bedingt geeignet: In kleinen Räumen belassen
Typ 22 (K2)2 Platten, 2 Konvektoren100 mm180 % (~1800 W)~86 % (~860 W)~55 % (~550 W)Ideal: Sehr gute Basis für Wärmepumpen
Typ 33 (K3)3 Platten, 3 Konvektoren160 mm250 % (~2500 W)~120 % (~1200 W)~77 % (~770 W)Beste Wahl: Maximale Leistung ohne Breitenänderung
Wärmepumpen-Heizkörper2 Platten + Gebläse110 mmN/A210 % (~2100 W)160 % (~1600 W)Premium: Hohe Abgabe selbst bei 35-45 °C

4. Die Schritt-für-Schritt-Strategie

Schritt 1: Raumweise Heizlastberechnung (DIN EN 12831)

Eine pauschale Auslegung nach Quadratmetern reicht nicht aus. Nur eine raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 deckt sogenannte „Kritische Räume" auf, deren Heizflächen bei abgesenkter Vorlauftemperatur zu klein wären.

Schritt 2: Vorlauftemperatur absenken

Ziel ist eine maximale Vorlauftemperatur von 50 °C bis 55 °C am kältesten Auslegungstag (z. B. -12 °C).

  • Jedes Grad weniger Vorlauftemperatur steigert die Effizienz (COP) der Wärmepumpe um ca. 2,5 %.
  • R290-Wärmepumpen erreichen bei 50 °C Vorlauf problemlos Jahresarbeitszahlen von über 4,0.

Schritt 3: Gezielter Austausch kritischer Heizkörper

  • In Räumen mit Typ-11-Heizkörpern wird durch den Wechsel auf Typ 22 oder Typ 33 die Wärmeabgabefläche verdoppelt bis verdreifacht.
  • Alternativ sorgen nachrüstbare Heizkörper-Lüfter für einen verstärkten Luftstrom über die Konvektionsbleche und erhöhen die Leistung um 30–50 %.

Schritt 4: Hydraulischer Abgleich (Verfahren B)

Der hydraulische Abgleich (nach VdZ-Verfahren B) stellt sicher, dass jeder Heizkörper exakt die benötigte Wassermenge erhält. Dies ist in Deutschland zudem Voraussetzung für die KfW- und BAFA-Förderung.


5. Häufig gestellte Fragen (FAQ)

F: Muss ich alle Heizkörper im Haus austauschen?
A: Nein. In der Praxis können ca. 70 bis 80 % der bestehenden Heizkörper (insbesondere Typ 22) weiterverwendet werden. Nur in einzelnen Räumen mit hoher Heizlast ist ein Austausch gegen Typ 33 erforderlich.

F: Welche Vorlauftemperatur ist optimal für Wärmepumpen mit Heizkörpern?
A: Eine witterungsgeführte Vorlauftemperatur von maximal 50 °C bis 55 °C bei extremer Kälte und 35 °C bis 40 °C in der Übergangszeit stellt den optimalen Kompromiss aus Effizienz und Behaglichkeit dar.

F: Funktioniert eine Wärmepumpe mit alten Gussheizkörpern?
A: Ja! Gusseiserne Heizkörper besitzen eine hohe Wasserfüllmenge und eine große thermische Masse. Sie geben die Wärme sehr gleichmäßig ab und eignen sich hervorragend für den Betrieb mit Niedertemperatur-Wärmepumpen.

F: Warum ist der hydraulische Abgleich so wichtig?
A: Ohne hydraulischen Abgleich fließt das heiße Wasser bevorzugt durch die dem Kessel nächsten Heizkörper. Dies führt zu taktendem Verdichterbetrieb, erhöhtem Stromverbrauch und kalten Räumen in den Obergeschossen.